Briefe an Lucilius · 63–65 n. Chr.
Senecas Briefe an Lucilius, alle 124.
Zwischen 63 und 65 n. Chr. schrieb der römische Stoiker Lucius Annaeus Seneca 124 Briefe an seinen Freund Lucilius über Zorn, Geld, Menschenmengen, Krankheit, Freundschaft und Tod. Jeder erhaltene Brief steht hier vollständig — mit englischer Übersetzung, lateinischem Original, Lesezeiten und Themen — kostenlos und ohne Konto.
Gemeinfrei · Keine Anmeldung · Keine Werbung · 4 Textsprachen
Drei Einstiege
Die Briefe sind kein Lehrgang. Wählen Sie den Einstieg, der zu Ihrem Anliegen passt.
Am Anfang beginnen
Brief I dauert drei Minuten und enthält das Argument im Kleinen: Ihre Zeit ist das Einzige, das Ihnen gehört — und Sie geben sie weg.
3 Min. · Brief I · Über die ZeitWenn Sie fünf Minuten habenMit den kürzesten beginnen
Die kürzesten Briefe zuerst. Seneca war oft dann am schärfsten, wenn er am wenigsten zu sagen hatte.
124 Briefe · kürzeste zuerstWenn Sie eine Frage mitbringenNach Thema lesen
Trauer, Geld, Menschenmengen, Krankheit und Todesangst. Jedes Thema führt zu den Briefen, die es tatsächlich behandeln.
18 Themen · 124 BriefeFünf Briefe für den Anfang
Ausgewählt, weil sie gut für sich allein stehen. Jeder ist in sich abgeschlossen — es gibt keine Handlung aufzuholen.
- 1On Saving TimeContinue to act thus, my dear Lucilius—set yourself free for your own sake; gather and save your time, which till lately has been forced from you, or filched away, or has merely slipped from your hands. Make yourself believe the truth of my words,—that certain moments are torn from us, that some are gently removed, and that others glide beyond our reach. The most disgraceful kind of loss, however, is that due to carelessness. Furthermore, if you will pay close heed to the problem, you will find that the largest portion of our life passes while we are doing ill, a goodly share while we are doing nothing, and the whole while we are doing that which is not to the purpose.3 Min.
- 3On True And False FriendshipYou have sent a letter to me through the hand of a "friend" of yours, as you call him. And in your very next sentence you warn me not to discuss with him all the matters that concern you, saying that even you yourself are not accustomed to do this; in other words, you have in the same letter affirmed and denied that he is your friend.3 Min.
- 16On Philosophy, The Guide Of LifeIt is clear to you, I am sure, Lucilius, that no man can live a happy life, or even a supportable life, without the study of wisdom; you know also that a happy life is reached when our wisdom is brought to completion, but that life is at least endurable even when our wisdom is only begun. This idea, however, clear though it is, must be strengthened and implanted more deeply by daily reflection; it is more important for you to keep the resolutions you have already made than to go on and make noble ones. You must persevere, must develop new strength by continuous study, until that which is only a good inclination becomes a good settled purpose.4 Min.
- 47On Master And SlaveI am glad to learn, through those who come from you, that you live on friendly terms with your slaves. This befits a sensible and well-educated man like yourself. "They are slaves," people declare.[^1] Nay, rather they are men. "Slaves!" No, comrades. "Slaves!" No, they are unpretentious friends. "Slaves!" No, they are our fellow-slaves, if one reflects that Fortune has equal rights over slaves and free men alike.9 Min.
- 63On Grief For Lost FriendsI am grieved to hear that your friend Flaccus is dead, but I would not have you sorrow more than is fitting. That you should not mourn at all I shall hardly dare to insist; and yet I know that it is the better way. But what man will ever be so blessed with that ideal steadfastness of soul, unless he has already risen far above the reach of Fortune? Even such a man will be stung by an event like this, but it will be only a sting. We, however, may be forgiven for bursting into tears, if only our tears have not flowed to excess, and if we have checked them by our own efforts. Let not the eyes be dry when we have lost a friend, nor let them overflow. We may weep, but we must not wail.6 Min.
Seneca nach Themen lesen
Jeder Brief ist danach verschlagwortet, was er erörtert, nicht nach seiner Stelle in der Reihenfolge. Die Zahlen zeigen, wie viele Briefe ein Thema behandeln.
Wer Seneca war
Ein Mensch, den man nur schwer bewundern kann
Seneca ist keine bequeme moralische Autorität. Er gehörte zu den reichsten Männern Roms und war acht Jahre lang Neros Lehrer und später sein wichtigster Berater — auch in den Jahren, in denen Nero seine eigene Mutter töten ließ.
Er schrieb diese Briefe, nachdem er sich mit über sechzig vom Hof zurückgezogen hatte, obwohl er wusste, dass ihn dieser Rückzug nicht gerettet hatte. 65 n. Chr. beschuldigte Nero ihn der Beteiligung an der Pisonischen Verschwörung und befahl seinen Tod.
Warum die Briefe noch immer wirken
Der Abstand zwischen dem Leben und den Briefen ist das Interessanteste an ihnen, und Seneca wusste das. In Brief I, räumt er ein: Ich kann nicht behaupten, nichts zu vergeuden; aber wenigstens kann ich dir sagen, was ich vergeude.
Das sind nicht die Aufzeichnungen eines Mannes, der das Problem gelöst hatte. Es sind die Aufzeichnungen eines Mannes, der schriftlich mit sich selbst rang, solange ihm noch Zeit blieb.
Zeitleiste
ca. 4 v. Chr.
Geboren in Corduba im römischen Hispanien.
41 n. Chr.
Unter Claudius nach Korsika verbannt; dort blieb er acht Jahre.
49 n. Chr.
Von Agrippina zurückgerufen, um ihren Sohn Nero zu unterrichten.
54–62 n. Chr.
Einer von Neros wichtigsten Beratern: seine mächtigsten und kompromittiertesten Jahre.
62 n. Chr.
Zog sich vom Hof zurück und begann, an Lucilius zu schreiben.
65 n. Chr.
Nach der Pisonischen Verschwörung zum Tod gezwungen. Die erhaltene Korrespondenz endet mit 124 Briefen.
Häufige Fragen
Wie viele Briefe schrieb Seneca an Lucilius?
124 Briefe sind als Epistulae Morales ad Lucilium — Moralische Briefe an Lucilius — überliefert. Antike Quellen lassen vermuten, dass es mehr gab; die Handschriftenüberlieferung bewahrt diese 124. Alle stehen auf dieser Seite vollständig zur Verfügung.
In welcher Reihenfolge sollte ich Senecas Briefe lesen?
In jeder beliebigen Reihenfolge. Sie entstanden über ungefähr zwei Jahre als Korrespondenz; jeder Brief steht für sich und antwortet offenbar auf eine Frage des Lucilius. Es gibt keine Handlung. Brief I über die Zeit ist ein guter Anfang; danach funktioniert die Lektüre nach Themen gut.
Welche Übersetzung verwendet diese Seite?
Der wichtigste englische Text ist Richard Mott Gummeres Übersetzung für die Loeb Classical Library, erschienen 1917 bis 1925 und heute gemeinfrei. Das lateinische Original sowie weitere gemeinfreie oder eindeutig gekennzeichnete Übersetzungen sind verfügbar, soweit die Ausgabe sie enthält.
Kann man Senecas Briefe kostenlos lesen?
Ja. Das lateinische Original und Gummeres Übersetzung sind gemeinfrei. Die Seite ist kostenlos, werbefrei und erfordert kein Konto. Der Lesefortschritt wird in Ihrem Browser gespeichert.
Was ist Stoizismus in Senecas Verständnis?
Senecas Stoizismus ist eher praktisch als systematisch. Ereignisse und das Schicksal liegen nicht vollständig in Ihrer Hand, doch Urteile und Reaktionen lassen sich schulen. Er entwickelt diesen Gedanken an alltäglichen Problemen — Geld, Menschenmengen, Krankheit, Freundschaft, Trauer und Todesangst.
Warum starb Seneca?
65 n. Chr. beschuldigte Nero Seneca der Beteiligung an der Pisonischen Verschwörung und befahl ihm, sich das Leben zu nehmen. Tacitus schildert die Szene in den Annalen. Ob Seneca tatsächlich an der Verschwörung beteiligt war, ist umstritten.
Während wir aufschieben, eilt das Leben vorbei.
Brief I · Dum differtur vita transcurrit